Preisträger 2010
Die VSA-Preise 2010: die Preisträger und ein Blick hinter die Kulissen
In jedem geraden Jahr werden die VSA-Preise ausgelobt und verliehen. Dies geschieht in den zwei Kategorien Promotionen und graduierte Examensarbeiten. Die Ausschreibung wird im Frühjahr veröffentlicht. Hier geht es darum, was nach der Ausschreibung geschieht: um die Bewerbungen, die Jury, die Auswahl der Preisträger und die Preisverleihung.
Mit Ende des Bewerbungsschlusses im Sommer beginnt die Arbeit der Jury. Die Kandidaten stehen fest, und die Gutachten sind von Vertrauensdozenten beizubringen. Hier wird ehrenamtliche Arbeit geleistet, die Vertrauensdozenten kennen die Bewerber zum Teil gar nicht und machen sich die Mühe, sich mit ihnen über ihren persönlichen Werdegang und ihre Arbeit zu unterhalten. Wenn dann die Gutachten einmal nicht pünktlich eintreffen, bedarf es eines freundlichen Telefonats des Juryvorsitzenden. Dieser wiederum ist Teil der Jury, die aus drei Altstipendiaten und zwei Altstipendiatinnen besteht und ein breites Spektrum an Disziplinen abdeckt: Elektrotechnik, Physik, Jura, Politikwissenschaften, Archäologie, Philologie, Germanistik, Geschichte und Philosophie. Die – allesamt promovierten - JurorInnen sind als Hochschullehrer und in den Medien tätig. Sie treffen ihre Entscheidung autonom – insbesondere ohne Einflussnahme des VSA.
In 2010 erhielt die Jury sechs Examensarbeiten und sieben Dissertationen, alle von extrem hoher Qualität: die Gesamtnoten der Examina bewegten sich zwischen 1.0 und 1.9, sechs Dissertationen waren mit „summa cum laude“ und eine mit „magna cum laude“ bewertet. Zusammen mit dem ebenfalls außergewöhnlichen Engagement der Bewerber fiel die Entscheidung nicht leicht. Jede Arbeit wurde zunächst von mindestens einem Juror – entsprechend seiner Qualifikation - komplett gelesen. Alle Bewerbungsunterlagen wurden von allen Juroren gelesen. In einer ersten Abstimmung konnten daraufhin die aussichtsreichsten Bewerber identifiziert werden. Deren Arbeiten wurden nun von allen Juroren gelesen, gefolgt von einer gemeinsamen Diskussion und Abstimmung über die Preisträger.
In diesem Jahr wurde in der Kategorie „Examen“ der Preis vergeben an Thomas Duttle.
Thomas Duttle studierte an der Universität Konstanz von 2003 bis 2010 im Bachelor- und Masterprogramm „Politik- und Verwaltungswissenschaft“. Diese Zeit enthält auch längere Studienaufenthalte im University College Cork, Irland, sowie in den USA an der Rutgers University sowie an der Princeton University. Von 2008 bis 2010 wurde er von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit gefördert. Seine Abschlussarbeit zum Master of Arts schrieb er zum Thema "Gesetzliche Mindestlöhne und Jugendarbeitslosigkeit in Europa – Eine quantitativ-vergleichende Analyse". Sein Studium schloss er mit Auszeichnung ab. Thomas Duttle untersucht die Sinnhaftigkeit von Mindestlöhnen in seiner Master-Arbeit mit einem fast flächendeckend angelegten Ländervergleich (20 Mitgliedsstaaten der EU, in denen im Untersuchungszeitraum 2003-2008 ein flächendeckender Mindestlohn existierte). Das Zentrum seiner Untersuchung bilden wirtschafts- und politikwissenschaftliche Erklärungsmodelle für Schwankungen in der Jugendarbeitslosigkeit. Das Ergebnis ist überraschend: Gesetzliche Mindestlöhne senken Jugendarbeitslosigkeit nur im Prinzip und nur dann, wenn sie gemäßigt sind und wenn die ökonomischen Makrofaktoren (Konjunktur, Arbeitsmarkt), mithin die wirtschaftliche Großwetterlage, günstig ist. Und schließlich, um die Verdrängung von jungen, unerfahrenen und schlecht qualifizierten Arbeitskräften durch ältere mit hoher Qualifikation und Erfahrung zu vermeiden: Mindestlohnregelungen haben möglichst klug zu sein, d.h. sie sollen nach Alter, Qualifikation und Erfahrung differenzieren. Thomas Duttles hohe akademische Qualifikation und die Relevanz seiner Arbeit werden abgerundet durch die langfristige engagierte Tätigkeit in der Katholischen Kirche wie auch die Arbeit im FDP-Ortsverband.
Der Promotionspreis 2010 ging an Ole Pollem.
Ole Pollem studierte an der Universität Oldenburg von 1999 bis 2003 Wirtschaftswissenschaften und war dort von 2004 bis 2008 Doktorand, gefördert als Promotionsstipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Im Dezember 2008 wurde er mit der Note summa cum laude promoviert zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften, Dr. rer. pol. Ole Pollem engagierte sich in den vergangenen Jahren in der Organisation und Durchführung mehrerer Regionaltreffen im norddeutschen Raum, insbesondere in Bremen und Oldenburg. Weiterhin betreute er über mehrere Jahre Studierende aus Tschechien, Benin und der Türkei im Rahmen von AIESEC-Programmen. Seine Dissertation zum Thema „Regulierungsbehörden für den Wassersektor in Low-Income-Countries“ dient dazu, konkrete Wege ausfindig zu machen und aufzuspüren, die es wenig entwickelten Staaten in Afrika erlauben, einen verantwortungsvollen Umgang mit der – in der Tat knappen – Ressource Wasser zu finden, eine leitungsgebundene Wasserversorgung und Abwasserentsorgung effektiv zu gestalten und auch zu finanzieren. Für seine stilistisch saubere, methodisch versierte und vom Material her unglaublich umfangreiche Studie hat Ole Pollem Ghana, Sambia, Mosambik und Mali bereist, um auf der Grundlage seiner zuvor entwickelten volkswirtschaftlichen Analysen vor Ort die jeweiligen Rahmenbedingungen zu analysieren. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) nutzt Ole Pollems Ergebnisse bereits für die Planung und Durchführung weiterer Projekte. Vor dem Hintergrund, dass gegenwärtig weltweit ca. 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,6 Milliarden Menschen keinen hinreichenden Zugang zu intakten Sanitäreinrichtungen haben, wird die Brisanz des behandelten Themas mehr als deutlich.
Den krönenden Abschluss bildete am 30.10.2010 die Preisverleihung im Rahmen des Altstipendiatenkonvents in Hamburg. Die Preise wurden verliehen von den Juroren Dr. Birgit-Nicole Krebs (ZDF Berlin) und Prof. Dr. Andreas Wendemuth (Universität Magdeburg). Den Laudationes des Juryvorsitzenden folgten Danksagungen der Preisträger. Nicht nur der begleitende enthusiastische Applaus zeigt den Erfolg der VSA-Preise: die Jury und auch der VSA sind überzeugt, dass die VSA-Preise die großartigen Leistungen der StipendiatInnen als Leuchttürme herausstellen und damit dokumentieren, dass der Anspruch der Begabtenförderung der Stiftung, akademisch hoch qualifizierte und gesellschaftlich hoch engagierte liberale Persönlichkeiten zu fördern, in der Tat eingelöst wird.
Prof. Dr. Wendemuth studierte Physik und Elektrotechnik in Miami, Florida, USA (Master of Science, 1988), Gießen (Diplom-Physiker, 1991) und Hagen (Dipl.-Ing., 1994), gefolgt von einer Dissertation in Physik zum Thema „Optimization in Neural Networks“ an der University of Oxford, UK (1994). Von 1989 bis 1994 war er Grund- und Promotionsstipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung. Er gründete zusammen mit Ingrid Höcherl den Arbeitskreis „Innovation“ und war von 1991-1994 Mitglied des Sprecherrates. Nach Postdoczeit in Oxford und wissenschaftlicher Tätigkeit in den Philips Forschungslaboratorien Aachen ist er seit 2001 Professor für „Kognitive Systeme“ an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Seit 2002 ist Professor Wendemuth Vertrauensdozent, Mitglied des Auswahlausschusses der Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung, sowie Mitglied der Jury des VSA-Preises, deren Vorsitz er 2008 von Astrid Möller übernahm.